Officium defunctorum



Konzerte:

6. September 2000
Festwoche Alter Musik
Bad Wimpfen

12. Juli 2002
MDR Musiksommer
Klostermansfeld/Harz

13. Juli 2002
Ingelheim/Rhein

14. Juli 2002
Reichenau/Bodensee

1. April 2006
Gregorianik Festival
Dom zu Plock (P)

Am 24. Januar des Jahres 1002 starb der umstrittene Kaiser des ottonischen Herrschergeschlechts: Otto III.. Nach einem mehrwöchigen Trauerzug aus seiner Burg Paterno unweit Roms über die Alpen mit Station u.a. in Augsburg und Köln wurde der Leichnam nach Aachen gebracht, wo er am Ostersonntag des Jahres 1002 im Chor der Pfalzkapelle, des heutigen Domes, beigesetzt wurde. In welcher Weise dort die Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Kaiser begangen wurden, ist uns nicht tradiert, wohl aber die Gesänge zur nächtlichen Vigil am Grabe des Verstorbenen. In den um die gleiche Zeit entstandenen liturgischen Handschriften aus der Schreibschule des Klosters St. Gallen sind die Gesänge des ÑOfficium defunctorumì überliefert. Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Handschrift des Inklusen Hartker, die noch heute in der berühmten Bibliothek des schweizerischen Klosters St. Gallen unter der Signatur Cod Sang. 390/391aufbewahrt wird. Dieser genial begabte Mönch ließ sich dreißig Jahre in einer Zelle einmauern, wo mit dem Antiphonarium officii eine der bedeutendsten Musikhandschriften des Mittelalters entstand.

Die beiden Bände der Handschrift überliefern die Musik nicht in der heute üblichen Notenschrift, sondern in Neumen; das sind kleine über den liturgischen Text notierte Zeichen, die in groben Zügen den Melodieverlauf, um so deutlicher aber die Agogik der Melodie aufzeigen. Trotz intensiver semiologischer Forschungen bietet die endgültige Entschlüsselung dieser Zeichen auch nach Jahrzehnten noch Stoff für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die Texte und Melodien der überaus kunstvoll komponierten Responsorien aber sind bis auf den heutigen Tag die verbindliche Musik der katholischen Kirche zur Liturgie des Totengedenkes. Darüber hinaus dienten sie in der Musikgeschichte zahllosen mehrstimmigen Kompositionen als Inspiration. 
 


Letzte Änderung: 09.03.2006
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